Archiv 10-2008

21. Oktober 2008
Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen - echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft?s hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?
Da muß eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird ein bisschen Krieg gemacht.

(angeblich) Kurt Tucholsky, 1930, veröffentlicht in "Die Weltbühne"

Es gibt nichts neues unter der Sonne! Wo bleibt der Retter in der Not?


10. Oktober 2008
Es ist ruhig in Deutschland. Auch in Europa ist es ruhig. Selbst die Amerikaner sind ruhig. Wir hören nicht mehr viel von den üblichen und nicht vermeidbaren Kollateralschäden, die kriegerische Beutezüge leider mit sich bringen. In Pakistan gibt es ein Hotel weniger, in Afghanistan sind wieder ein paar Zivilopfer zu beklagen und in Babylon wird der tägliche Wahnsinn fortgesetzt. Überall werden Terroristen bekämpft.
Tja, der Terrorismus ist ein Phänomen, weil wir damit ungebildete und fanatische Menschen in Verbindung bringen, die Bomben basteln und in dicht bevölkerten Räumen zur Detonation bringen. Der Bombenterror ist eine ideale Form der Manipulation des Denkens, weil Angst verhindert, dass Zusammenhänge gesehen und verstanden werden. Der Bombenterror lenkt perfekt vom Finanzterror ab, den wir als Mutter aller Manipulationssysteme verstehen sollten und welcher gerade seinen letzten Coup zu landen versucht. Die Herren des Geldes erpressen gerade die Staaten, um ihr auf der Intensivstation befindliches und künstlich am Sterben gehindertes System zu retten. Wenn wir Glück haben und sich selbst denkende Menschen organisieren wird das Sklavengeld verschwinden und ein zinsfreies Geld an dessen Stellen treten. Wenn wir Pech haben und sich der gleichgeschaltete Mainstream via Medien erneut durchsetzt werden wir den größten Raub der Geschichte erleben, die zu einer gigantischen Umverteilung von unten nach oben führen wird. Angesichts dieser Entwicklung ist es banal, auf unseren nun schwarz gekleideten Kanzler einzugehen, dem Herr Lagerfeld jüngst attestierte, dass er sein Äußeres verbessert habe. Mag sein, dass Schwarz besser aussieht als Ferkelrosa, aber das, was da verpackt wird, ist eher etwas für Herrn Christo und Frau Jean Claude. Wie dem auch sei ruft das Elitetandem Merkel/Steinbrück zur Ruhe und Gelassenheit auf, denn die Spargroschen der Deutschen werden "garantiert", so wie auch die Renten "sicher" sind und die Berliner Mauer noch "1000 Jahre" stehen sollte. Ein Kanzler, der garantiert, dass 1 Billion Euro Erspartes nicht verloren geht sagt nichts anderes, dass für den Fall, dass der Bürge haftet, nicht der Staat und seine vielen Führungsleute dafür gerade stehen, sondern der Steuerzahler. Also wird sich dieser schöne Staat eine Billion von ihnen leihen und die Zinsen dafür über Steuer und Abgaben wieder hereinholen. Das meint das Eliteduo, wenn es von einer Garantie spricht.

Wo sind all die Wirtschaftsweisen, Professoren, Denkgenies, die uns erklären, warum sich die Katastrophen periodisch wiederholen? Fehlanzeige! Stattdessen wird von Kontrolle schwadroniert. Ungestillte sollen Ungestillte kontrollieren. Das war bisher immer hilfreich und wird es auch in Zukunft sein. Für den Fall, dass in der nächsten Zeit ein Großereignis unsere Aufmerksamkeit fesseln sollte, wäre es ratsam, sich vorher für eine gewissen Zeit mit Vorräten zu versorgen, bis das zinsfreie Geld kommt.