Archiv 11-2008

18. November 2008
Diejenigen, die glauben, dass es zur aktuellen "Demokratieform" keine Alternative gibt, weil politische Fachleute einhellig behaupten, es gäbe keine, mögen sich dieses Manifest zur Gemüte führen. Es liegt an uns selbst, ob wir den Übergang von einer Parteiendiktatur zum Kontroll- und Überwachungsstaat klaglos hinnehmen oder hin zur echten Demokratie wenden wollen. Das wird für uns niemand leisten. Wir müssen es selbst wollen und dann auch tun.


17. November 2008
Dem interessierten Zeitgenossen wird es nicht besonders einfach gemacht, sich angesichts der Vielzahl von Botschaften sinnvoll zu orientieren. Wem kann er noch trauen? Auf der einen Seite vernimmt er die immer lauter werdenden Kassandrarufe, die ihn zunehmend ängstigen. Auf der anderen Seite registriert er eine groß angelegte Hoffnungskampagne, die einer Valium-Retard-Wirkung gleichkommt. Alles easy. Die Situation ist die bei einem Bankraub, wo sich maskierte Herrschaften Zutritt zum Tresor verschaffen und den Kunden freundlich zuraunen, dass für den Schaden die Versicherung aufkommen werde. Na dann ist ja alles in Ordnung. Das diese "Versicherung" diesen Verlust nicht auf sich sitzen lassen wird, ist nicht jedermann klar. Aber wer ist schon in der Lage, sich seines Verstandes in vollem Umfang zu bedienen, wenn gleichzeitig alles getan wird, um das Denkwerkzeug abzulenken. Angesichts des Gottschalk-Virus und des Obama-Fiebers denkt keiner so richtig an eine heraufkommende Epidemie, sondern eher an einen vorrübergehenden Schnupfen. Wird schon. Zum Schluss der Bush-Amtszeit traut sich sogar der Spiegel eine Generalabrechnung vorzulegen, wenngleich diese auch nur offiziell erlaubtes enthält. Über den anderen Teil schweigen sich die Redakteure aus nachvollziehbaren Gründen aus. Selbst die ZEIT bemüht den Begriff der "Neuen Weltordnung", wenngleich bei näherem Hinsehen nicht die Orwellsche Diktion gemeint ist, sondern ein Regelwerk, das zu erstellen ist, damit diese Katastrophen nicht mehr entstehen können. Das ist die Lösung. Es wird die Zeit kommen, wo man uns ernsthaft nahe zulegen versucht, dass man sich den Darm prophylaktisch herausnehmen lassen und gegen einen Hightech-Schlauch austauschen sollte, da man dann sicher sein könne, nicht an Darmkrebs zu erkranken. Was ist naheliegender?
Unser allerbester Kanzler bürgt derweil nicht nur für die Spareinlagen und die Managergehälter der Banken sondern hat nun den guten Adam Opel zur Chefsache erklärt. Alles easy. Spätestens mit der neuen "Weltfinanzordnung" ist dann alles geregelt. Die Ungestillten werden dann direkten Zugriff auf unser Geld bekommen. Die brauchen dann keine umständlichen Ränkestücke mehr zu inszenieren, um Vermögen von unten nach oben umzuverteilen. Was soll der Plebejer schließlich mit Geld?
Während an der globalen Front wieder alles unter Kontrolle ist dürfen die Ungestillten in der heimatlichen Provinz ihre Spiele im Sandkasten fortsetzen. Die Bayern haben einen neuen Viertelstoiber und die Hessen dürfen den Kanzlerkoch (vorerst) behalten. Frau Y. aus W. hat derweil einen Mann mit Charisma in den eigenen Reihen gefunden, der sich als Regierungschef in Hessen genau so gut eignet, wie Herr Sodann als Bundespräsident, der unumwunden zugibt, dass er auf den Klo immer zwei Probleme auf einmal löst: Kreuzworträtsel und Völlegefühl. Der SPD-Herr aus Hessen mit Doppelnamen vermittelt einen soliden Eindruck. Die Grünen haben sich entschlossen, auf Altbewährtes zurückzugreifen. Die Dose TrittIhn wird wieder reaktivert. Kurzum, es ist alles in Ordnung und wir können uns getrost der Tagesordnung zuwenden. Die nächsten Zumutungen kommen bestimmt. Auch diese werden hingenommen, wie so viele vor ihnen auch.
Oh yes, they can and they will do. They will never change!

Da freue ich mich doch auf die nächste Folge aus "Neues aus der Anstalt". Vielleicht hat ja jemand den Mut und verfilmt den Jack-Nickelson-Klassiker "Einer flog über das Kuckucksnest" mit aktuellen Kabinettsgrößen. Weiße Kleidung mit Leibchen würde den Herrschaften bestimmt gut stehen. Der Hilfsschullehrer Schmidt würde an den Pillen Freude haben, die er anderen fleißig verordnet. Die Innenansichten dieser Anstalt würden allen sicher gefallen. Nun denn: Vorhang!